Destillation

Selbst Schnaps brennen – legal und ohne großen Aufwand. Geht das?

Ohne großen Aufwand ja, legal leider nicht mehr seit dem 01.01.2018, dank des neuen AlkStG 🙁

Theoretisch könnte man mit einer sogenannten Tisch- oder Minidestille* eigene Destillate herstellen. Bis Dezember 2017 war das mit einer Destille mit einem Volumen unter 0,5 L sogar legal, außer natürlich der Verkauf der Erzeugnisse – aber zum Verschenken hatten sich selbst gebrannte Schnäpse gut geeignet. Und ein kleiner Destillationsvorgang mit anschließender Verkostung des Ergebnisses war auch ein hervorragender Partygag.

Tisch-Destille
Letzte legale Destillation zu Silvester 17/18 😉

Theoretisches Grundwissen zur Destillation

Wer sich noch nie mit Destillation befasst hat, sollte sich in ein paar grundlegenden Punkten schlau machen:

Destilliert man Maische, Wein oder Bier, entsteht sogenannter Vorlauf. Dies ist bei der natürlichen Gärung entstandener Methylakohol (Methanol), der in konzentrierter Form für Menschen giftig ist. Deshalb muss er beim Destillieren abgetrennt werden. Da Methanol leichter ist als das „gute“ Ethanol, siedet es bei niedrigeren Temperaturen und läuft somit als erstes aus der Destille. Daher der Name „Vorlauf“.

Ebenso verhält es sich mit dem Nachlauf (höherwertige Alkohole und Fuselöle), der schwerer ist als Ethanol und somit erst gegen Ende des Destillationsvorgangs auftritt. Diese Fuselstoffe sorgen für einen ordentlichen Kater.
Es ist daher wichtig, die Destillation rechtzeitig zu beenden.

Der Alkoholgehalt des Destillats hängt davon ab, wie hochprozentig das Eingangsprodukt ist und wann man den Destillationsvorgang beendet. Außerdem hat die Bauart der Destille Einfluss darauf, in welcher Konzentration der Alkohol überhaupt destilliert werden kann (Stichwort: Rektifikation).

Das Destillat ist zu Beginn des Destillationsvorgangs relativ hochprozentig, aber mit zunehmender Temperatur der Maische/des Eingangsprodukts erhöht sich der Wasseranteil im Destillat (Stichwort: Azeotropes Gemisch). 

Die Ausbeute bei einer Minidestille ist sehr gering. Je weniger % vol. das Eingangsprodukt hat, desto weniger Destillat erhält man. Destilliert man z.B. 500 ml Wein mit 12% vol. (das entspricht 60 ml reinem Alkohol) erhält man ca. 85 ml Weinbrand mit 70 % vol.

Nach dem Ende der Destillation hat das Endprodukt ca. 60-70 % vol. Es muss vor dem Genuss auf Trinkstärke herabgesetzt werden. In der Regel lässt man das Destillat einige Tage (oder Wochen) ruhen, bevor man es mit weichem (d.h. kalkarmem) Wasser bei gleicher Temperatur verdünnt. Die Menge an hinzuzufügendem Wasser ergibt sich über den Dreisatz. Hat man z.B. 100 ml Destillat mit 70 % vol. (=70 ml Ethanol), so ergäbe das bei 40 % vol. eine Gesamtmenge von 175 ml. D.h. man muss 75 ml Wasser zusetzen.

Der Destillationsvorgang

Wenn man die Maische erhitzt, wird zuerst Vorlauf ausgeschieden, den man am klebstoffartigen Geruch erkennt. Ab ca. 78°C fließt dann Ethanol. Dabei steigt die Temperatur langsam an und die Volumenprozent des Destillats nehmen nach und nach ab – zuerst langsam, dann immer schneller. Gegen Ende des Vorgangs, wenn der Alkoholanteil unter 50 % sinkt, steigt die Temperatur schneller an. Daher gehört an jede Destille ein Thermometer* (was bei den Minidestillen leider nicht immer der Fall ist).

Neben der Temperatur des Dampfes sollte man während des Destillationsvorgangs immer den aktuellen Alkoholgehalt im Blick behalten. Da die Menge an Destillat bei der Minidestille kaum für einen klassischen Alkohol-Schwimmer ausreichen würde, empfiehlt sich ein Refraktometer* zur Bestimmung der Volumen-Prozente. Hierbei reichen wenige Tropfen zur Messung des Alkoholgehalts, die im laufenden Prozess entnommen werden können.

Als weiteres Hilfsmittel  ist außerdem ein Messbecher* zum Auffangen des Destillats sinnvoll. Hat man zuvor die zu erwartende Menge berechnet, kann man so das Ende des Destillationsvorgangs abschätzen. Er hilft auch beim späteren Verdünnen des Destillats auf Trinkstärke.

Zur Aufbewahrung der Destillate wäre es auch sinnvoll, ein paar kleine Fläschchen* parat zu haben.

Warum ich keinen Whisky gebrannt hatte

Mit der oben beschriebenen Vorgehensweise wäre es kein Problem, ein eigenes Destillat herzustellen – wenn es denn legal wäre. Jedenfalls hatte ich früher mit den gezeigten Produkten gute Erfahrungen gemacht.

Wegen des kleinen Brennvolumens der Mini-Destille hatte ich allerdings nie versucht, Maische oder Bier (für Whisky) zu brennen. Zum Einen, weil die Ausbeute sehr gering gewesen wäre, zum Anderen, weil Maische und Bier zum Schäumen neigen. Das gibt eine ziemliche Sauerei, wenn der Schaum durch die ganze Destille geht. 

Aber die Herstellung von Gin und Geist gelang mir früher sehr gut und in akzeptablen Mengen, da dieser beim Ansatz mit Wodka bereits einen hohen Eingangsalkoholgehalt hatte.

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